Der Klimawandel ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der nächste Rekordsommer steht vor der Tür. Die Frage ist nicht mehr, ob es Hitzewellen, Dürre und Starkregen geben wird, sondern nur mehr wie intensiv die Extremwetterereignisse werden und welche Regionen sie treffen werden. Der globale Klimaschutz hat versagt. Das Ziel, die Erderwärmung weltweit auf 1,5 °C zu begrenzen, ist bereits gescheitert. Klimawandelanpassung ist daher das Gebot der Stunde. Eine wesentliche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Grün-blaue Infrastrukturen.
Aber wie gut sind Grün-blaue Maßnahmen eigentlich fürs Klima und die Umwelt? Wir müssen uns die Frage stellen, woher beispielsweise die eingesetzten Baumaterialien und Pflanzen stammen, wieviel Erdöl und CO2 in ihnen steckt, und welche Emissionen durch Transport, Einbau und Betrieb entstehen? In Anlehnung an die Kriterien der EU Taxonomie sollten wir uns überlegen, welchen Beitrag wir für Klimaschutz, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft oder nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen leisten können. Oder ist es so, dass wir zum Teil sogar einen Schaden anrichten?
Das Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau widmet sich seit einigen Jahren in seiner Forschung diesen Fragen. Für die Baumpflanzmethode StreetTREE wurde der gesamte Produktions- und Bauprozess einer Life-Cycle-Analyse unterzogen. Das Ergebnis: die gepflanzten Bäume benötigen bis zu 200 Jahre, um das verursachte CO2 zu kompensieren! Die Analysen zeigen, dass für diese durchaus überraschend hohe Zahl vorwiegend Transport und Einbau der Substrate ausschlaggebend waren. Dabei wurden die rund 12 m3 Substrate je Baum aus einem nahegelegenen Erdenwerk angeliefert. Die Bäume stammten aus einer regionalen Baumschule und auf den Einsatz von Beton konnte fast zur Gänze verzichtet werden. Es stellt sich also die Frage, wie sich diese Relation zwischen Kosten im Sinne des Klimaschutzes und Nutzen hinsichtlich Klimaanpassung im Landschaftsbau generell darstellt. Es ist Zeit, diese Fragen aufzugreifen und für die Branche Wissen zu schaffen. Denn auch der Landschaftsbau ist gefordert, seine Prozesse, Bauweisen und Materialien an die Anforderungen und Notwendigkeiten unserer Zeit anzupassen.

